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Bewegungstherapie bei psychischen Erkrankungen

Umfassendes Lehrwerk

Das Wissen um die Bewegung bei psychischen Erkrankungen ist, in dem mehr als 600 Seiten langen Buch "Bewegungstherapie bei psychischen Erkrankungen" aus dem Jahr 2011, konzeptionell eingebettet in verschiedene Themenfelder. Es ist in der Aufbereitung ein Standardwerk für Therapeuten, Ärzte sowie Sportwissenschaftler, die im stationären Bereich tätig sind. Der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS) nutzt diese Literatur in seiner Ausbildung.

Dieses Rezensionsexemplar befindet sich schon etwas länger in meinem Besitz und ich habe es aufgrund seines Umfangs und der Tatsache, dass ich selbst nicht im Klinikumfeld arbeite, immer verschoben. Im nachhinein las sich das Buch doch zügig. Was mich beeindruckt hat, ist die vielfältige Verknüpfung der unterschiedlichen Sichtweisen verschiedener wissenschaftlicher Richtungen. So werden philosophische, naturwissenschaftliche, psychologische und sportpädagogische Grundlagen berücksichtigt.

Namen wie Ommo Grupe, der die Sportpädagogik mit seinem anthropologisch-philosophischen Ansatz maßgeblich prägte, Jürgen Funke-Wieneke, der den Sportunterricht als Körpererfahrung verstand oder Dietrich Kurz mit dem mehrperspektivischen Blick auf den Sport und der Handlungsfähigkeit im und durch Sport, ließen mich an meine Studienzeit zurückdenken. Ihre sportpädagogischen Säulen nun in einem psycho- und bewegungstherapeutischen Kontext wiederzufinden, erfreut mich und zeigt, wie wichtig interdisziplinäre Ansätze sind. Gerd Hölter, Philologe, Bewegungs- und Psychotherapeut, hat sich mit seinem Autorenteam dem Thema in folgenden Kapiteln genähert:

  • Körper, Leib und Bewegung – begriffliche und inhaltliche Annäherung

  • Psychische Gesundheit und Bewegung

  • Konturen der klinischen Bewegungstherapie

  • Störungs- und altersorientierte Behandlungsansätze in der klinischen Bewegungstherapie (Affektive Störungen, Schizophrene Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Abhängigkeitserkrankungen, Psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und bei alten Menschen)

  • Resümee und Empfehlungen

Zur Zeit der Drucklegung war Gerd Hölter Leiter des Lehrgebiets Bewegungserziehung und Bewegungstherapie und des Zentrums für Beratung und Therapie der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund. Er ist nun nach seiner Emeritierung im Jahr 2011 national und international als Berater, Dozent, Gutachter und Referent tätig.

Der Leser bekommt einen komplexen Einblick in Theorie und Praxis. „In dem vorliegenden Buch wird ein weiter Bogen von der Leib-Seele-Problematik und der Klärung des Gesundheits- und Bewegungsbegriffs über handwerkliche Aspekte der klinischen Bewegungstherapie bis hin zu Basisinformationen und anwendungsorientierten Überlegungen zu einzelnen psychischen Erkrankungen geschlagen.“ (S.577). Das Herzstück findet sich im vierten Kapitel, in dem systematisch für die verschiedenen Krankheitsbilder differenzierte und anwendungsbezogene Konzepte beschrieben werden, die Fachkräfte in ihrem Handeln konkret unterstützen. Fallbeispiele sind implementiert.

Ich sehe dieses Buch genau wie die Verfasser speziell für Fachpersonen im Klinikbetrieb. Es könnte auch für Psychotherapeuten im ambulanten Setting interessant sein, die mehr über die Zusammenhänge von Bewegung und Psyche erfahren wollen und natürlich auch für ambulant tätige Bewegungstherapeuten in diesem Bereich, Studierende dieser Fachrichtungen eingeschlossen.

Hölter, Gerd (2011). Bewegungstherapie bei psychischen Erkrankungen. Grundlagen und Anwendung. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.

ISBN 978-3-7691-0550-6

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