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Gesunde Faszien

Selbst ist der Mensch - Ihre Faszien freuen sich

In der lauftherapeutischen Praxis kommt es zu Beginn eines Anfängerkurses durchaus vor, dass die ungewohnte Belastung – auch wenn sie sehr moderat bemessen ist – zu verschiedenen Problemen führt. Da können sich die Schienbeine, die Waden, die Knie, die Füße und Hüften schon einmal bemerkbar machen. Neben einer Laufstilveränderung und Krafttraining können die Ursachen meist auch durch das Training der Faszien und damit einem Beweglichkeitstraining behoben werden. Auch bei ambitionierten Läuferinnen und Läufern können die Faszien der Grund für Beschwerden sein.

Kristin Adler und Arndt Fengler sind beide Physiotherapeuten und haben mit ihrem Buch „Gesunde Faszien Ihr Trainingsprogramm. Weniger Schmerzen – mehr Beweglichkeit“, 2016 im Trias Verlag publiziert, eine verständliche und attraktive Umsetzung des Themas entwickelt. Dieses Buch kommt ohne Fachbegriffe aus. Obwohl an verschiedenen Stellen welche aufgeführt werden, sind sie zum Verständnis des Inhalts nicht notwendig. Hochwertiges Fotomaterial illustriert zum einen die inhaltlichen Themenfelder und zum anderen die strukturierten Übungsanweisungen sehr gelungen. Auch die mitgelieferte DVD überzeugt mit guten Bildschnitten und professioneller Gestaltung. Das fast quadratische Format ermöglicht einen lesefreundlichen, dreispaltigen Satz in einem luftigen Layout. Für Personen, die sich selbst behandeln möchten, werden, meiner Meinung nach, gute Voraussetzungen gelegt. Aktivwerden müssen die Leser dann aber doch selbst.

Die Faszien – unser Körper-Netzwerk - bedeuten mehr als nur Hüllmaterial für Muskeln und Organe. Sie sind selbst zur Anspannung und Entspannung fähig und kommunizieren lebendig mit dem Nervensystem. Die Autoren beschreiben die Funktionen der Faszien, erklären Triggerpunkte und wecken die Körperneugier des Lesers. Wesentlich für das gesamte Trainingsprogramm sind die Dimensionen Wahrnehmen, Verändern und Integrieren. Ziel ist es, sensibel für die Strukturen zu werden und damit den eigenen Körper besser zu verstehen. Auf welche Weise können sich die Übenden den Faszien nähern? Dies gelingt über Wahrnehmungsübungen, Kräftigungen, sanftes Federn, den Katapulteffekt, das Dehnen oder die Triggerpunkte.

Die einzelnen Kapitel sind jeweils bestimmten Bereichen zugeordnet, wie dem Oberkörper, der Halswirbelsäule, den Schultern, Armen und Händen, der Lendenwirbelsäule, dem Becken und den Beinen. Hier wird die Anatomie kurz beschrieben, Beschwerden erläutert und mit dem Trainingsprogramm mögliche Lösungsvorschläge unterbreitet. Das Ziel jeder Übung wird formuliert, die benötigten Hilfsmittel benannt und welche Vorbereitungen notwendig sind, bevor die Bewegungsbeschreibung folgt. Ein 7-Minuten-Faszientraining und Beispiele, die zwischendurch in den Alltag eingebaut werden können, runden das Buch ab.

Die Theorie wird einfach und publikumsorientiert gehalten. Ein kleiner Fehler hat sich im Abschnitt über „offene und geschlossene (Muskel-)Ketten“ (S.12) eingeschlichen, die Erklärung hätte anders lauten müssen, aber das ist nicht wirklich relevant. Von einer offenen Muskelkette spricht man dann, wenn sich das letzte zu bewegende Segment frei im Raum bewegen kann, z.B. beim frei schwingenden Bein im Einbeinstand. Eine geschlossene Kette liegt dann vor, wenn die zu bewegenden Segmente fixiert sind, beispielsweise die Beine auf dem Boden bei Kniebeugen. Die vielseitigen Praxisbeispiele sind aber das, was ein Übender für die Selbsthilfe benötigt. Die Kunst wird für jeden Leser oder jede Leserin wie immer darin bestehen, die erhaltenen Informationen in den Alltag zu integrieren. Wie heißt es so schön, probieren geht über studieren!

Adler, Kristin/Fengler, Arndt (2016). Gesunde Faszien Ihr Trainingsprogramm. Weniger Schmerzen -  mehr Beweglichkeit. Stuttgart: Trias Verlag in Georg Thieme Verlag KG.

ISBN 978-3-432-10074-6

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