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Das große Buch vom Krafttraining

Voller Kraft, laienverständlich geschrieben

Bevor ich das Exemplar aufschlug, ließ ich den schönen, durchtrainierten, männlichen Körper auf mich wirken und überlegte, ob der Inhalt dieses Werkes wohl in meinen therapeutischen Rahmen passt? Glücklicherweise ist das Inhaltsverzeichnis direkt auf dem Cover abgedruckt, so dass mir Kapitel wie „Welche Wirkungen hat das Krafttraining auf den Organismus“, „Methodik für das Training mit unterschiedlichen Zielgruppen“ und „Krafttraining bei verschiedenen Erkrankungen“ ins Auge fielen. Ich habe mich also nur kurzzeitig ablenken lassen und bin dann fachlich eingestiegen.

Jan Pauls ist Sportwissenschaftler, arbeitet in einem Rehabilitationszentrum und ist Lehrbeauftragter am Sportinstitut der Universität Göttingen, darüber hinaus trainiert er selbst seit seiner Jugend mit Gewichten. Diese breite Expertise ist das Besondere an dem Buch „Das große Buch vom Krafttraining“ (2014). Es gibt Einblicke in die modernen Kraftsportarten, wie Bodybuilding, Gewichtheben oder Kraft-Dreikampf, setzt sich aber auch mit den Themen wie „Krafttraining mit Hochbetagten“, „Krafttraining in der Schwangerschaft“ und „Sanftem Krafttraining“ auseinander. Zudem gelingt es Pauls mit seinem Sprachstil, ein breites Publikum anzusprechen, denn nicht jeder Praktiker liebt den akademischen Fachjargon. Seine Argumentation stützt der Autor, soweit es geht, auf Studien, die er nicht explizit ausführt, sondern als Quellennachweis erwähnt. Was mir gefällt, ist, dass er an manchen Stellen eine eigene Position bezieht, in dem Sinne „laut Theorie müsste man hier so handeln, meine Erfahrung zeigt mir aber, dass...“. Dies ist auch immer das Bereichernde an Fortbildungen, wenn sich Fachpersonen selbst in das Thema einbringen.

Ich möchte das Inhaltsverzeichnis hier nicht wiederholen, dies kann der Leser auf dem Cover erkennen. Der Aufbau des Buches gibt eine gute, verständliche Kombination von Theorie und Praxis wieder, um ein Training - egal für welche Zielgruppe - sinnvoll und variabel aufzubauen. Es werden auch Detailfakten benannt, die nicht ganz so geläufig sind. Im Kapitel elf „Die Geräte“ werden die Besonderheiten, Vor- und Nachteile von Maschinen, Hanteln, Therabändern, Seilzugmaschinen, Schlingentrainer, aber auch Turnhallenequipment behandelt. So können sich Trainer noch einmal genau Gedanken machen, was für welchen Einsatz sinnvoll ist. Das dritte Kapitel fällt ein bisschen aus dem Konzept, es erzählt von den historischen Entwicklungen des Krafttrainings. Für begeisterte Kraftsportlerinnen und -sportler bestimmt interessant. Ich hätte es allerdings an anderer Stelle positioniert, entweder zu Beginn oder am Ende, so wurde ich inhaltlich herausgerissen, nachdem ich mich mit „Was ist Kraft?“ und dessen Wirkung auf den Organismus beschäftigt habe.

In den rund 200 Seiten finden sich auch Übungen, die jedoch über die meist bekannten Kraftaktivitäten nicht hinausgehen. Diejenigen, die sich im Kraftsport auskennen, werden wahrscheinlich nichts Neues sehen, dafür aber sehr ausführlich beschrieben. Was den Bewegungsablauf noch einmal vergegenwärtigt.

Ich denke, es ist eine vernünftige Literatur für Trainer, die vor allen Dingen in Fitnessstudios mit den unterschiedlichsten Klienten arbeiten und ein fundiertes, gut lesbares Buch suchen. Auch für Lauftherapeuten geeignet, die aus der psychologischen oder sozialpädagogischen Richtung kommen und ihr Wissen im Sportbereich vertiefen möchten. Für andere Fachkräfte kann es meines Erachtens als Ergänzung gesehen werden.

Pauls, Jan (2014). Das große Buch vom Krafttraining. München: Copress Verlag.

ISBN 978-3-7679-1184-0

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