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Lauftherapie und Selbstwertgefühl

Eine positive Sicht auf sich selbst fördern

Das Selbstwertgefühl ist oft entscheidend für ein zufriedenes oder gar glückliches Leben. Ihm die Aufmerksamkeit zu schenken und zu schauen, welche Optionen es für eine positive Entwicklung gibt, ist ein sinnvoller Beitrag für Menschen, die von mangelndem Selbstwertgefühl betroffen sind. Und das können auch Menschen sein, die mal über ein gutes Selbstbewusstsein verfügten, doch das Leben dazu führte, dass es heute nicht mehr so ist oder die Sicht zu schwanken beginnt. Der langsame Dauerlauf als Lauftherapie wird unter diesem Aspekt, von Ulrich Bartmann (Hrsg.) in die „Fortschritte in der Lauftherapie – Lauftherapie und Selbstwertgefühl“ (2016), wissenschaftlich unter die Lupe genommen.

Die Serie „Fortschritte in der Lauftherapie“ beruht auf kleinen aus der Praxis heraus entstandenen Studien, die sich unter anderem aus der Weiterbildung zum Lauftherapeuten (m/w) bei der DGVT (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie) ergeben, die Ulrich Bartmann aufbaute. Dieses Vorgehen ist ambivalent. Praktische Studien im Sport, gerade bei Gruppenangeboten, können eine gewisse Teilnehmerzahl nicht überschreiten (meist fehlen Kontrollgruppen/nicht immer). Sie werden in der Regel nicht finanziert, was auf der einen Seite unabhängig macht, auf der anderen Seite dadurch auch vom Engagement des Einzelnen abhängt. Die Teilnehmer müssen rekrutiert werden, oft aus dem Umfeld, was sich auch auf die Motivation der Probanden auswirken kann. Es handelt sich um Querschnittstudien und da sehe ich eine Problematik für dieses Thema. Das Selbstkonzept eines Menschen entwickelt sich aus einer zeitlichen Perspektive heraus. „Diese bezieht sich nicht nur auf die aktuelle Person, sondern auch und vor allem auf ihre Biographie. Die persönliche Geschichte bestimmt die Identität viel mehr als aktuelle Eigenschaften“ (Grave 2000, zitiert aus dem Buch S. 13/14). Sind Studien auf 8-10 Wochen angelegt, zeichnen sie den aktuellen Stand auf. Wichtig wären Langzeitstudien, um zu sehen, ob sich das Laufen überdauernd auf das Selbstwertgefühl auswirkt. Dennoch geben diese Untersuchungen Richtungen an, auf die man nicht verzichten sollte, sie sind realistisch und flexibel durchführbar.

Die Versuchsgruppen sind teils adressatenspezifisch, z.B. Frauen, Kinder, Mütter, Patienten einer psychosomatischen Einrichtung, Raucher, geistig Behinderte, teils gemischt. Vor Beginn und am Ende der jeweiligen Studie wurden von den Teilnehmern Fragebögen ausgefüllt, je nach Konzeption und anschließend wissenschaftlich ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen nicht immer signifikante, aber doch häufig, manchmal auch hochsignifikante Zusammenhänge zwischen dem Laufen und einem positiven Selbstwertgefühl. Das Laufen ermöglicht den Teilnehmern offenbar eine Neubewertung des persönlichen Selbst, was meist zu positiven Veränderungen führt. Eingeleitet wird der Band vier mit einer Beschreibung der Begrifflichkeiten Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstwertschätzung, Selbstwertgefühl, Selbstkonzept und Definitionen. Das Ende bilden Kurzberichte und Buchbesprechungen.

Es gibt einen Teil, die „Nachlese“ (S.135-142), von dem ich mir gewünscht hätte, dass er nicht in diesem Band publiziert worden wäre. Ein Buch, was 2016 veröffentlicht wird, nimmt Bezug auf einen Zeitschriftenartikel aus der Spiridon aus dem Jahr 2014. Dieser Text hätte in der Spiridon erscheinen sollen. Zukünftige Leser dieses Werkes werden mit einer Problematik konfrontiert, die sie gar nicht kennen und vielleicht auch gar nicht kennen sollten.

Die knapp 150 Seiten lesen sich flüssig, zeigen die positiven Wirkungen der Lauftherapie auf das Selbstwertgefühl, bestärken Lauftherapeut*innen in ihrem Tun und geben Menschen einen Input für Veränderungen.

Bartmann, Ulrich (2016). Fortschritte in der Lauftherapie Band 4. Schwerpunkthema: Lauftherapie und Selbstwertgefühl. Tübingen: dgvt-Verlag.

ISBN 978-3-87159-864-7

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