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Optimales Krafttraining

Zeit für Paradigmenwechsel

Vorab möchte ich ein großes Lob an Redaktion und Grafik aussprechen. Es ist eine Kunst, Texte, Bilder, Grafiken, Tabellen und Kästen so zu inszenieren, dass sie in der Gesamtgestaltung nicht nur optisch überzeugen, sondern sich im Layout harmonisch – ohne viel zu blättern - sinnvoll ergänzen. Der Leser wird abwechslungsreich und strukturiert durch knapp 480 Seiten geleitet. Die Vorschau und die Schlüsselwörter empfinde ich zwar als nicht so wichtig, dennoch geben sie vorab eines jeden Kapitels einen Ausblick auf das Folgende und eine Zusammenfassung am Ende schließt den Abschnitt wieder. Die Literaturangaben werden numerisch aufgelistet, was eine schnelle Auffindbarkeit der Quellen aus dem Text heraus garantiert. Möchte sich der Leser unabhängig vom Inhalt im Literaturverzeichnis orientieren, bevorzuge ich allerdings eine alphabetische Sortierung.

Jürgen Freiwald und Andreas Greiwing haben ein umfassendes Werk in 29 Kapiteln zum Krafttraining im Freizeit-, Breiten-, und Leistungssport, aber auch für Prävention und Rehabilitation geschrieben. Sie gehen explizit auf die Unterschiede in den jeweiligen Anwendungsfeldern ein. Das habe ich in Büchern über Krafttraining bisher meistens vermisst. Das 2016 erschienene Buch wird wohl ein Standardwerk seiner Zeit. Mir fällt kein Bereich im Zusammenhang mit dem Krafttraining ein, der nicht aufgegriffen und beleuchtet wurde: Anatomie, Physiologie, Biomechanik, Trainingswissenschaft, Ernährung, Testverfahren, Trainingspläne und ein Kapitel zum Kinder- und Jugendtraining.

Altbewährtes Wissen wird mit neuesten technischen Forschungsmethoden ebenso überprüft, so dass sich teilweise doch Paradigmenwechsel vollziehen, wie darüber hinaus Themen aufgegriffen werden, die erst in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus gerückt sind, wie beispielsweise das Denken in Muskellogen und der Bereich Faszien. Eigene Forschungs- und Praxiserfahrungen fließen genauso selbstverständlich mit ein, wie internationale Forschungsdiskussionen. Theorie und Praxis verbinden sich hier, so dass Wissenschaftler und Studierende der Fachbereiche Sport, Medizin und Physiotherapie von dem Inhalt sehr profitieren, aber auch Trainer, die sich intensiv mit der Thematik beschäftigen. Den Autoren ist wichtig, dass die grundlegenden physiologischen Kenntnisse zur Wirksamkeit von Krafttraining wahrgenommen werden. Über elektromyografische Verfahren (EMG) können heute sehr differenzierte Aussagen über die Effektivität einzelner Kraftübungen getroffen werden. Dieses Kapitel finde ich besonders spannend. Klassische Krafttrainingsübungen der Hauptmuskelgruppen werden in ihren unterschiedlichen Ausführungen auf die wirkliche Aktivierung der Muskulatur überprüft. Dabei gibt es doch den ein oder anderen Überraschungseffekt.

Kapitel 28 widmet sich vielfältigen Übungshinweisen für das Krafttraining im Fitnessstudio. Diese werden zusätzlich auf einer mitgelieferten DVD mit der korrekten Bewegungsausführung aus unterschiedlichen Perspektiven demonstriert.  Das Fitnessstudio ist ein geeigneter Ort für alle Krafttrainierenden, nicht nur für Ftinessbegeisterte.

Das Buch schließt nicht nur eine fachbezogene Lücke im deutschsprachigen Raum, sondern zeigt die besondere Bedeutung des Themenfeldes für den sich bewegenden Menschen. Krafttraining wirkt sich positiv auf den Körper und zum Teil auch auf die Psyche aus. Es fördert die Weiterentwicklung eines Sportlers und sollte nach Freiwald und Greiwing sportartenspezifisch umgesetzt werden. Ein Krafttraining für Läufer sieht anders aus als beispielsweise für Turner.

In diesem Buch spiegeln sich die Leidenschaft und Fachkompetenz des Autorenteams in jedem einzelnen Kapitel wider. Es liest sich gut, es lohnt sich!

Freiwald, Jürgen/Greiwing, Andreas (2016). Optimales Krafttraining. Sport – Rehabilitation – Prävention. Balingen: Spitta Verlag.

ISBN 978-3-938509-18-0

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