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Training in der Therapie

Klassiker für die orthopädische Trainingstherapie

Lauftherapeut*innen sind nicht unweigerlich Orthopäd*innen oder Physiotherapeut*innen, nur wenn jene diese Ausbildung genossen haben. Nichtsdestotrotz werden wir mit orthopädischen Fragestellungen konfrontiert, die wir lösen können sollten. Die Situation, die sich oft für Lauftherapeut*innen stellt, ist die, dass Klienten kommen, die keine Problematik zeigen mit der sie aktuell in einer Behandlung sind, sondern längst vergessene Unfälle, Bewegungseinschränkungen durch Vorerkrankungen oder Schonhaltungen mitbringen, die sie nach einem Trauma nicht wieder aufgegeben haben. Diese Vorschädigungen wirken sich aber auf die Bewegung aus. Hier sollten wir adäquat reagieren und mit entsprechenden Übungen entgegenwirken, damit die Klienten beschwerdefrei laufen können. Im Zweifel jedoch immer eine Fachperson einbeziehen.

Gegenstand einer orthopädischen Trainingstherapie ist es, eine verletzte Struktur wieder belastbar und den Patienten leistungsfähig zu machen. Dieses Grundlagenwissen um die Funktionsweise und die Behandlung der Strukturen kann auch Lauftherapeut*innen nützen. Der Band „Training in der Therapie. Grundlagen“ herausgegeben von Ingo Froböse und Christiane Wilke wurde für die vierte Auflage 2015 komplett überarbeitet. Es ist ein Lehrwerk für Sporttherapeut*innen und Physiotherapeut*innen. Ingo Froböse ist Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilition der Sporthochschule Köln. Christiane Wilke ist Diplomsportlehrerin und arbeitet ebenfalls an dem Institut.

Eine Therapie beginnt immer mit der ersten Begegnung zwischen dem Therapeuten und dem Patienten/Klienten. Hier wird ein gemeinsames Handeln vereinbart, dabei wird der Patient/Klient als aktiver Part einbezogen. Während des gesamten Prozesses ist die Therapeut-Patient-Beziehung eine wichtige Säule. Auch die Motivation des Patienten/Klienten spielt im Genesungsgeschehen eine wichtige Rolle und wie sich Schmerzen auf das Bewegungsverhalten auswirken. Diese Themen, die über das Orthopädische hinausgehen, werden in dem Buch auch behandelt. Das gefällt mir.

Intensiv wird das therapeutische Training im Ausdauer- und Kraftbereich beschrieben, dazu die biomechanischen Grundlagen erläutert. Es gibt natürlich schon Unterschiede in den Anforderungen, je nachdem, ob Patient oder Klient, dennoch sind die elementaren Kenntnisse übertragbar. Ein ganz entscheidender Faktor bildet das sensomotorische Training in der Therapie, mit seinen wahrnehmungsbezogenen Facetten. Dieser Bereich wird im normalen Trainingsalltag seltener umgesetzt, doch auch Gesunde können profitieren. Kapitel sieben beschäftigt sich mit der Gangschulung. Dies ist für Lauftherapeuten sehr interessant. Ein Kapitel beschäftigt sich noch mit der arbeitsbezogenen Gestaltung von Training und Rehabilitation und dem Training im Wasser. Für Sporttherapeuten und Physios integraler Bestandteil, aus läuferischer Sicht ist er verzichtbar. Die abschließenden Testverfahren dienen dem Werkzeugkasten für Berufspraktiker.

Der Text des Buchrückens beschreibt mein Fazit gut: „Ein optimales Grundlagen- und Praxisbuch für alle, die an der Rehabilitation von Patienten mitwirken wie Sporttherapeuten, Physiotherapeuten und Sportmediziner.“ Für Lauftherapeuten ist die Literatur schon speziell, ein sportwissenschaftlicher oder medizinischer Hintergrund ist für diese Lektüre sinnvoll.

Froböse, Ingo/Wilke, Christiane (Hrsg.) (2015). Training in der Therapie. Grundlagen. München: Urban&Fischer/Elsevier Verlag.

ISBN 978-3-437-47562-7

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