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Frauensport in Kenia

In Kenia verändert der Laufsport Rollenbilder

Mich dürstete nach neuen Blickwinkeln, um mein Denken in Veränderungsbezügen zu erfrischen. Ich liebe die neuen Verknüpfungen, die das konfrontative Anderssein mit sich bringt und freute mich auf ein Buch, dass kulturell woanders spielt, sich inhaltlich aus dem Leistungssport speist und sich mit einem meiner Lieblingsthemen beschäftigt, dem Leben von Frauen. Das Laufen hat in Kenia eine besondere Bedeutung. Es ist stärker als in anderen Kulturen mit der Veränderung von Lebensverhältnissen verbunden. Frauen profitieren sehr, da sich durch den Laufsport zum einen das Rollenverständnis bewegt und sich zum anderen für sie Bildungschancen ergeben. Rhea Maria Richter hat in ihrer Dissertation den soziokulturellen Kontext des "Frauensports in Kenia" (2016) herausgearbeitet. Dabei nimmt sie einen Kulturvergleich zwischen Kenia und den USA vor. Sie hat an der Universität Göttingen Ethnologie und Musikwissenschaft studiert.

Der Autorin ist es gelungen, ihr wissenschaftliches Werk eher wie eine gut recherchierte, journalistische Expertise zu offerieren. Es liest sich gut. Dabei fließen Erfahrungen aus ihrer eigenen leistungssportlichen Laufzeit mit ein. Sie war eine erfolgreiche deutsche Mittel- und Langstreckenläuferin. Für ihre Forschungsarbeit rekrutiert sie zwei Quellen, zum einen den informellen Sportkontext, der sich aus der Situation mit ihr als Trainingspartnerin ergibt und zum anderen das offizielle Setting mit ihr als Feldforscherin. Diese Kombination gibt einen besonderen Einblick in die Thematik. Die Daten wurden aus narrativen Leitfadengesprächen und der teilnehmenden Beobachtung gewonnen. Ihr Ziel ist es, die gesellschaftliche Bedeutung des Laufsports und die allgemeinen trainingstheoretischen Vorstellungen über das Laufen herauszuarbeiten. Sie hat einen sozialwissenschaftlichen Blick.

Kenianische Läuferinnen und Läufer fallen international mit ihren hervorragenden Leistungen auf. Das hat die Sportwissenschaft von jeher fasziniert. Richter gibt im ersten Kapitel einen Überblick über mögliche Erklärungsansätze, seien es biologische Faktoren, psychologische oder soziokulturelle und führt die Ansätze aus der Literatur zusammen. Beschreibt im zweiten Kapitel, wie sich der Laufsport in Kenia historisch entwickelt hat und steigt im dritten Kapitel mit der gesellschaftlichen Bedeutung in das Hauptthema ein. Hier differenziert sie noch nicht nach Männer- und Frauenlaufsport. Anders als in unserer Kultur ist das Laufen in Kenia konkret mit einer Berufsperspektive verbunden. Mit dem Laufen soll Geld verdient und damit die Lebensverhältnisse verbessert werden. Laufen ausschließlich aus Spaß an der Freud existiert in der Vorstellung von KenianerInnen nicht. Heute kommen die, durch das Laufen, ermöglichten Bildungschancen durch Stipendien in den USA als Motivationsfaktor hinzu. Die StipendiatInnen treten für die Hochschulen im Laufen bei Wettkämpfen an und gleichzeitig dürfen sie dort studieren. Im vierten Kapitel lässt Richter Biografien von kenianischen Weltklasseathletinnen wirken und beschreibt die Bedeutung des Laufens für die Gleichberechtigung der Frau. Frauen nutzen zunehmend die Chancen, sich neue Bildungschancen zu erlaufen und den traditionellen Rollenbildern in der Familie zu entfliehen. Die Familien profitieren durch die positive finanzielle Veränderung und damit können sich Frauenbiografien anders entwickeln. Es schließt sich ein Kapitel an, dass sich mit dem globalen Sportsystem beschäftigt und der verändernden Rolle des kenianischen Laufsports und abschließend charakterisiert die Autorin die verschiedenen Lauflandschaften in Kenia und den USA. Durch den gegenseitigen Austausch wandeln sich die Sichtweisen.

In dieser Dissertation werden auch die trainingsbedingten Unterschiede zwischen den Systemen erörtert. Systematische Trainingspläne finden sich im kenianischen Lauftraining eher selten.

Fazit: Wissenschaftlich betrachtet, fand ich die Arbeit nicht so ergiebig, weil sie nur beschreibt und die Erkenntnisse offensichtlich sind. Der Inhalt dieses Buches ist für jemanden, der sich für gesellschaftliche Themen aus dem Sport interessiert kurzweilig und bereichernd. Leider sind auch einige Rechtschreibfehler drin.

Richter, Rhea Maria (2016). Frauensport in Kenia. Laufsportkultur zwischen Kenia und den USA. Hildesheim: Arete Verlag.

ISBN 978-3-942468-70-1

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