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Krafttraining in Prävention und Therapie

Der Ansatz von Werner Kieser

Der Titel und auch der Buchrücken verraten es nicht, nur der Name des Herausgebers deutet darauf hin, dass sich dieses Buch wohl mit dem besonderen Ansatz des Kieser Trainings beschäftigt. Der Verlag hat in der Regel die Hoheit über diese Bereiche und ich gehe mal davon, dass er diese Entscheidungen bewusst getroffen hat. Ich habe mir die Lektüre ausgesucht, weil ich eingestehe, bisher wenig Interesse an dem Konzept gehabt zu haben, aber doch verschiedene KlientInnen in die Studios gehen und mich zuweilen um Stellungnahmen bitten.

Werner Kieser erwähnt in seinem Vorwort, dass es für ihn eine Ehre ist, die führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet des Krafttrainings für die Mitarbeit gewonnen zu haben. (S.10) Auch das war für mich ein Grund, näher hinzuschauen. Werner Kieser selbst hat keinen sportwissenschaftlichen Hintergrund, sondern einen philosophischen und ging autodidaktisch an die Entwicklung seines Konzepts heran. Das Buch „Krafttraining in Prävention und Therapie“ ist 2015 in der zweiten überarbeiteten und erweiterten Auflage im Hogrefe Verlag erschienen. Es teilt sich in drei große Abschnitte: Grundlagen, das Kieser Training und Indikationen und Anwendungen.

Die einzelnen Kapitel haben eine leserfreundliche Länge, ein attraktives Layout und die Spalten sind wirklich mit Text gefüllt, ohne viel Weißraum. Mit großem Interesse habe ich den Inhalt der Grundlagen aufgenommen, weil die Kapitel fundiert und präzise das jeweilige Thema behandeln und mir auch kleine neue Aspekte geliefert haben. Es sind fünf Bereiche von der Bedeutung der Muskelkraft, über die geschichtliche Entwicklung des Krafttrainings bis hin zum Thema Schmerz und Krafttraining. Es handelt sich um Basiswissen, das für jede Trainerin oder jeden Trainer im Fitnessstudio, bzw. Sport- und BewegungstherapeutInnen oder SportwissenschaftlerInnen, aber auch ÄrztInnen interessant ist. Das hat noch nichts speziell mit dem Kieser Ansatz zu tun.

Das zweite Hauptkapitel widmet sich dem Kieser Training. Ich kann es mir nicht verkneifen, zwei Seiten hätte man hier sparen können und zwar die „Persönliche Erfahrung mit Krafttraining“. Ich tue mich immer etwas schwer mit Selbstdarstellern, war natürlich auch auf der Webseite und die überzeugte Selbstliebe ist wirklich nicht zu übersehen. Die Lebensleistung ist durchaus beachtenswert, doch Biografisches hat in einem Fachbuch nichts verloren. Werner Kieser stellt im Anschluss das Kieser Training vor, das macht er gut und sinnvoll. Es wird das Besondere im Gegensatz zum Training im Fitnessstudio sichtbar. Das Rückentraining mit dem Einsatz der Lumbar und Cervical Extension Maschinen mit Beckenfixierung wird herausgearbeitet. Dabei wird das isolierte Muskeltraining hervorgehoben als wegweisende Maßnahme, besonders für SchmerzpatientInnen. Wenn das Qualitätsmanagement und die Forschungsaktivitäten so kontinuierlich gelebt werden, wie es hier beschrieben wird, dann ist das ein sinnvolles Gütekriterium.

Der letzte große Bereich untersucht das Krafttraining unter verschiedenen Prämissen, z.B. bei betrieblicher Gesundheitsförderung, im Alter, bei verschiedenen Krankheitsbildern, vor und nach operativen Eingriffen usw. Einen schönen Abschluss bildet der Beitrag „Der Umgang mit Patienten“. Das wird allzu selten thematisiert und doch hat die kommunikative Ebene einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg einer Therapie. Die Informationen aus diesem großen Abschnitt sind meines Erachtens  wieder allgemein. Alle möglichen Therapeuten profitieren von diesen Aufsätzen.

Dieses Fachbuch ist so gehalten, dass die Effekte des maschinengestützten Krafttrainings untermauert werden. Das ist auch nicht verkehrt, denn diese Form hat ihre positiven Elemente. Nur als alleinige Maßnahme und so speziell, wie beim Kieser Training, führt es, meines Erachtens, an den neueren Entwicklungen der Sportwissenschaft vorbei. Das Denken in Muskellogen, in funktionellen Zusammenhängen findet hier nicht statt. Bewegungen werden nicht in einem isolierten Zustand ausgeführt. Personen, die länger beim Kieser Training sind, berichten, dass es irgendwann keine merklichen Veränderungen mehr gibt. Ich habe das Gefühl, dass kiesertrainierte Personen bei neuen und komplexen Bewegungsabfolgen wenig von ihrem Training profitieren, während Personen, die sich im Fitnessstudio kräftigen, diese meist besser bewältigen. Das ist nur ein persönlicher Eindruck. Wer hinter dem Konzept steht, ist durch dieses Buch gut mit Informationen versorgt.

Kieser, Werner (Hrsg.) 2015. Krafttraining in Prävention und Therapie. Grundlagen - Indikationen - Anwendungen. Bern: Hogrefe Verlag.

ISBN 978-3-456-85554-7

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