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Lebensschule Laufen

Die Lauftherapie und ihre Weberschen Wurzeln

Es ist mir eine besondere Freude, das Buch "Lebensschule Laufen" (2017), herausgegeben von Klaus Richter, Raphael Richter und Wolfgang Schüler, zu rezensieren. Es ist ein Sammelband mit den wichtigsten Schriften zur Lauftherapie von Alexander Weber. Hat sein Lebenswerk doch dazu geführt, dass ich heute Lauftherapeutin bin und mein eigenes Denken über das Laufen bekräftigt. Seine Beiträge nun in einer anderen Konstellation erneut zu lesen, teilweise auch zum ersten Mal, mich daran zu erinnern, mit Alexander Weber eine Woche vor seinem 80. Geburtstag die Ostfriesland-Nacht-Staffel erlebt zu haben, eröffnet mir einen besonderen Blick.

Die Beiträge sind chronologisch sortiert, was neben der Entwicklungsgeschichte der Lauftherapie, auch die Themen kennzeichnet, die die Person Weber in verschiedenen Zeitabschnitten beschäftigten. In Webers Texten finden sich immer wieder kleine persönliche Statements, die erkennen lassen, warum ihm, was wichtig ist. Sie hauchen dem wissenschaftlichen Material Leben ein. Es ist nicht vermeidbar, dass sich auch kleine Doppelungen ergeben, weil seine durchgeführten Studien in mehreren Schriften verarbeitet wurden, aber jeweils immer, einen doch anderen Aspekt hervorheben. Die einzelnen Texte dürfen gern auch in einer anderen Reihenfolge gelesen werden, wie Detlef Kuhlmann in seinem Vorwort erwähnt.

Die Basis für neu entwickelte Konzepte bilden meist Selbstbeobachtungen, aus denen dann ein Ansatz für die wissenschaftliche Forschung abgeleitet wird. So auch bei Alexander Weber: „Wenn ich nicht schon so häufig diese auffällige und eindeutige Stimmungsveränderung in konstant einseitiger Richtung, und zwar stets zur verbesserten, gehobeneren, angenehmeren Grundstimmung im Vergleich zu vorher, während und nach meinen vielen Läufen in den letzten sechs Jahren an mir selbst erlebt hätte, ich würde dieses zentrale und wichtige Thema nicht immer wieder aufgreifen.“ (S.19) Diese Zeilen stammen aus einem Auszug seines Lauftagebuchs (1974/75). Das wichtigste Kennzeichen für dieses Wohlgefühl ist das moderate Tempo. „Meine Laufgeschwindigkeit dosiere ich wieder ganz bewusst, und zwar so, daß ich ruhig ein- und ausatmen kann und jederzeit das Gefühl habe, deutlich unter meinem derzeitigen läuferischen Vermögen zu bleiben.“ (S.18)

Alexander Weber ist Empiriker und Zahlenmensch und so nutzte er die Gelegenheit, während seiner Hochschulzeit als Professor an der Universität Paderborn, wissenschaftliche Projekte durchzuführen, mit dem Ziel „die Wirksamkeit des langsamen Laufens auf das seelische und körperliche Wohlbefinden“ zu belegen. Die Ergebnisse der Studien mit verschiedenen Zielgruppen (u.a. mit VolkslaufteilnehmerInnen, Hausfrauen, Alkoholabhängigen, Personen mit psychosomatischen Beeinträchtigungen) zeigen die positiven Effekte und sind in dem Band beschrieben. Darüber hinaus blieb es nicht aus, dass Weber seinen Blick in die Welt richtete und beispielsweise Entwicklungen aus Amerika aufnahm (z.B. von George Sheehan) und auch andere Ansätze (z.B. das von Moshe Feldenkrais) mit in sein Denken integrierte.

Nun ist Alexander Weber kein Mensch, der nur für sich alleine agiert, möchte er doch seine Erkenntnisse strukturieren und verbreiten. So sah er seine Aufgabe anschließend darin, ein umfassendes Konzept zu entwerfen, das die vielen Einflüsse und Erfahrungen, die ihn geprägt hatten, widerspiegeln konnte. Das 'Paderborner Modell der Lauftherapie' war geboren. Den Begriff der Lauftherapie gab es in Deutschland bis dahin nicht. In letzter Konsequenz galt es dann, Menschen nach seiner Theorie auszubilden. So entstand das Deutsche Lauftherapiezentrum (DLZ), das er Anfang der 1990er Jahre mit Freunden gemeinsam aufbaute. Mittlerweile wurden über 600 LauftherapeutInnen dort ausgebildet.

Das Buch ist aktuell das Einzige, das die Entwicklung der Lauftherapie von Alexander Weber so umfassend dokumentiert. Sie fand ihren Ursprung in den eigenen Erfahrungen, wurde in wissenschaftlichen Studien überprüft, im Paderborner Modell zusammengefasst und setzte sich in der Ausbildungsstätte DLZ fort - ein besonderer Weg. Für jede Lauftherapeutin und jeden Lauftherapeuten eine bereichernde Lektüre. So sie am DLZ ausgebildet wurden, kennen sie Alexander Weber auch persönlich und können seine Ausführungen in dieser gebündelten Form, noch einmal anders einordnen. Es sei aber auch anderen LauftrainerInnen empfohlen, die die Idee des gesundheitsorientierten Laufens weitergeben möchten. Das langsame Laufen ist eine gesunde Lebensschule - betont wettkampffrei.

Richter, Klaus; Richter, Raphael & Schüler Wolfgang (2017). Lebensschule Laufen. Grundlegende Texte Alexander Webers zur Lauftherapie. Hamburg: Tredtion GmbH.

ISBN 978-3-7439-2060-6

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