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Ready to Run

Mobility ist das, was zählt

Es ist ein durch und durch amerikanisches Buch, was die Selbstdarstellung des Autors angeht. Ich habe es für mich so stehen lassen können, weil Kelly Starrett, ein promovierter Physiotherapeut, interessante Aspekte und Übungen erwähnt, die die Sicht auf die Mobilisation und das Faszientraining bereichern. Das Buch „Ready to Run“ ist 2017 in der zweiten Auflage im riva Verlag erschienen. Es ist ansprechend layoutet, beinhaltet gute, fast selbsterklärende Fotos und führt die Leser*in strukturiert durch den Inhalt. Ich meine gelungen!

Starrett wünscht sich, dass Sportler*innen ihr ganzes Laufpotenzial ausschöpfen können und dadurch leistungsfähiger werden. Den gedanklichen Ausgangspunkt findet sein Konzept in den vielen Verletzungen, die sowohl ihm als auch anderen Sportler*innen regelmäßig widerfahren. Laut den von ihm genannten Umfragen verletzen sich rund drei viertel der Läufer*innen einmal pro Jahr, unter Marathonläufer*innen wohl an die 90 Prozent (S.11). Seine eigene Klientel sind Elitesportler*innen und –soldat*innen, Weltklasse-Crossfitter, um nur einige zu nennen. Also Personen, die dem Leistungs- bzw. Hochleistungssport zuzuordnen sind. Dennoch fallen mir sofort Assoziationen zum Laufen mit meinen Klient*innen ein, was für mich ausschlagegebend ist. In seinen Ausführungen hebt der Autor immer wieder hervor, dass jede Person allein für ihre Gesundheit verantwortlich ist, nicht die Orthopäden, Physiotherapeuten oder Schuhverkäufer. Veränderungen und Maßnahmen kann nur jeder selbst umsetzen, und das muss der- bzw. diejenige wollen. Das sehe ich auch so. Eine professionelle Begleitung kann nur Inputs geben und einen Rahmen schaffen.

Kelly Starrett definiert 12 Standards für sein Konzept, die zum einen als Eingangstest dienen und zum anderen die Bereiche offenbaren, die seiner Meinung nach, für ein gesundes Laufen maßgebend sind und damit trainiert werden sollten. Dazu zählen: die neutrale Fußstellung; das Tragen flacher Schuhe; eine elastische Brustwirbelsäule; eine effiziente Squattechnik; gute Hüftbeugung und –streckung; eine ausreichende Sprunggelenksbeweglichkeit; das Auf- und Abwärmen; Tragen von Kompressionsstrümpfen; Schluss mit akuten Schmerzen; die Flüssigkeitsversorgung im Körper und das Abspringen und Aufsetzen. Erfüllen Läufer*innen diese Aspekte problemlos, sind Sie ‚ready to run‘. Stimmt die Körpermechanik werden sich weniger Verletzungen, bzw. keine Verletzungen mehr, ereignen. Dieser Aussage möchte ich nicht uneingeschränkt zustimmen, weil zur Verletzungsproblematik nicht nur die biomechanischen Krafteinwirkungen eine Rolle spielen, sondern, meiner Meinung nach, auch die Verausgabungsbereitschaft von Sportler*innen mit einbezogen werden müsste. Trainieren Läufer*innen häufig an der Grenze der maximalen Leistungsfähigkeit, wird die Belastungsfähigkeitsgrenze sehr strapaziert. Denn die punktuelle physische Leistungsfähigkeit eines Sportlers, wie sie in einem Lauf unter Leistungsgedanken gezeigt wird, kann höher sein als seine Belastungsfähigkeit, die neben physischen auch psychische Faktoren beinhaltet.

Die einzelnen Kapitel stellt der Autor strukturiert vor und verweist jeweils, auf die in Kapitel 17 sehr gut beschriebenen, passenden Mobilisationsübungen. Er zeigt Fehlerbilder, natürlich die korrekte Ausführung einer Übung und benennt die Materialien, die er einsetzt. Da er selbst als Fotomodell fungiert, sieht der Betrachter schnell, welche Aspekte Kelly Starrett wichtig sind. Am Ende jedes Kapitels schreibt T.J. Murphy, ein ehemaliger Ausdauerathlet, noch einige Zeilen in einem Kasten von „Läufer zu Läufer“, um die positiven Wirkungen des Konzepts noch einmal zu bekräftigen. Auch das ausführliche Vorwort, welches dem Umfang eines eigenen Abschnitts gleichkommt, ist aus der Feder Murphys.

Die vorgestellten Mobilisationsübungen sind zwar nicht alle neu, aber in diesem konzeptionellen Zusammenhang gut und schlüssig. Zwei Bereiche, einmal das Tragen von Kompressionsstrümpfen und das Flossing passen nicht ganz in meine Philosophie, aber das sollten die Leser*innen selbst entscheiden, wie sie dies einordnen. Das Buch ist sehr leserfreundlich geschrieben und für jeden, der sich mit dem Laufen beschäftigt, geeignet.

Starrett, Kelly (mit T.J. Murphy) (2017). Ready to Run. Entfessle dein natürliches Laufpotenzial. München: riva Verlag.

ISBN 978-3-86883-568-7

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