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Running forever

Geschichten, die das Laufen schrieb

Vor gut einem Jahr fragten mich Wolfgang Schüler und Klaus Richter, ob ich nicht Lust hätte, mein 'Leben als Läuferin' in ein Buchkapitel zu fassen. Ich war zunächst etwas irritiert, hatte ich doch gar nichts vorzuweisen, was ich hätte erzählen können: ich bin ja nur gelaufen. Doch Wolfgang Schüler hat mir die Idee des Buches und der gewollten Vielfalt der Lebens'lauf'entwürfe so wunderschön erläutert, dass ich mich mit Freude darauf eingelassen habe. Und dann hieß es warten, warten, warten... Gespannt war ich vor allen Dingen auf die 24 anderen Geschichten. So wurde der 17. August 2017 für mich ein besonderer Tag, hielt ich doch endlich das Buch „Running forever“ in meinen Händen.

Mit einem wohligen Gefühl im Bauch überlegte ich mir, mit welcher Geschichte ich starte und entschied mich für die einer Frau, Bettina Richter. Sie ist die erste von sechs Frauen. Sehr warmherzig erzählt sie über ihr Laufen, lernte sie doch so ihren Mann Raphael Richter kennen, über den ebenfalls in diesem Buch zu lesen ist. Im Anschluss überschlug ich etliche Seiten, um gedanklich auf Alexander Webers Pfaden zu wandern, der das Paderborner Modell der Lauftherapie entwickelte. Sein Laufbeginn resultierte aus einer persönlichen Krise, die er offen benennt. Bis heute, mittlerweile 80-jährig, läuft er in seinem Wohlfühltempo. Als dritten Beitrag möchte ich meine Geschichte erwähnen, weil sie die einzige in diesem Buch ist, die fern vom Wettkampfgeschehen motiviert wurde und damit der LeserIn eine andere Perspektive eröffnet. Das Freisein und die Körper- und Naturerfahrungen sind hier wichtiger als Laufveranstaltungen.

Die vielfältigen Lebenserfahrungen sind ein gebündelter Schatz. Ich habe sie jeweils einzeln auf mich wirken lassen, denn in jedem Beitrag steckt die Liebe des Autors bzw. der Autorin. 30, 40 oder sogar 65 Jahre Laufen lassen sich nicht sachlich erzählen. Für (fast) alle Läuferinnen und Läufer sind die Wettkämpfe, die Ereignisse auf die sie sich freuen, für die sie mit Herzblut trainieren und die dafür sorgen, dass sie so viel Spaß am Laufen haben. Mich erfüllen allein die schönen Lauferlebnisse. Laufreisen sind ein Thema; Laufen für den guten Zweck; Freunde finden; Sammeln von Marathonteilnahmen; Leistungssteigerungen sind wichtig, aber genauso die Erkenntnis, dass es nicht immer nur vorwärts geht; Selbstbewusstsein entwickeln; den Körper erleben und Meditation, Stressabbau werden als Punkte genannt.

„Man wird lange suchen müssen, um etwas annähernd Vergleichbares in der Literatur zu finden.“, damit bezieht sich Wildor Hollmann in seinem Geleitwort auf die beträchtliche Anzahl von Autoren, die ihre persönlichen Lauferfahrungen schildern. Ich glaube, dass dies auch auf den Inhalt zutrifft. Die Struktur dieses Buches konzentriert sich auf fünf Leitfragen, die alle Autoren beantworten. Somit werden die Geschichten ein Stück weit geführt, unterstreichen aber gleichzeitig die individuelle Performance. Es schreibt ein Manfred Steffny, Olympiateilnehmer und Herausgeber der Zeitschrift Spiridon, neben Inge Umbach, die als leidenschaftliche Lauftherapeutin ihren persönlichen Weg beschreibt, dazu gesellt sich Detlef Kuhlmann, der Sport studiert hat und als Hochschulprofessor an der Leibniz Universität Hannover unterrichtet. Hubert Karl, Horst Preisler, Gerhard Uhlenbruck und Sigrid Wulsch sind weitere Namen. Alle AutorInnen finden Sie in der Leseprobe auf der Verlagsseite.

Die Personen in diesem Buch lassen die LeserInnen an ihren Lauferfahrungen teilhaben und nehmen sie mit in Ihre Welt des Laufens. Wer sich auf seinen eigenen Laufweg begibt, findet hier vielleicht das, was er oder sie selbst sucht. Eine schöne, leichte Lektüre.

Schüler, Wolfgang W., Richter, Klaus (Hrsg.) (2017). Running forever. Das Geheimnis lebenslangen Laufens. Hildesheim: Arete Verlag.

ISBN 978-3-942468-82-4

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