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Zwei sportliche Perspektiven auf den Stress

An diesem Buch interessierte mich die ambivalente Sicht auf den Sport. Je nach Blickwinkel kann der Sport dazu beitragen, entstandenen Stress aus anderen Lebensfeldern zu regulieren oder aber, ihn erst zu erzeugen und damit umzugehen lernen. Zwei Bereiche stehen sich somit gegenüber: zum einen ist die Rede vom Gesundheitssport und zum anderen wurde der Leistungssport wissenschaftlich beleuchtet. Die Herausgeber Reinhard Fuchs und Markus Gerber haben in ihrem Werk „Handbuch Stressregulation und Sport“ (2018) im Springer Verlag erschienen, Studien zusammengetragen, die den heutigen Stand der Wissenschaft zum Thema darstellen. Dadurch ist ein umfassendes Nachschlagewerk entstanden, dass Erkenntnisse zum Einfluss von Stress auf die Gesundheit liefert und welche Schlüsse daraus gezogen werden können.

Reinhard Fuchs ist Psychologe und seit 2002 Professor für Sportpsychologie an der Universität Freiburg. Markus Gerber studierte Sportwissenschaft und leitet seit 2016 die Abteilung Sport und Psychosoziale Gesundheit an der Universität Basel. In Ihrem Werk kommen ausgewiesene Experten zu Wort. Das rund 540 Seiten umfassende Buch ist zweispaltig gestaltet, mit farbigen und schwarz-weiß gehaltenen Abbildungen, die den Text unterstützen. Drei große Aspekte strukturieren den Inhalt nach der Einleitung: die „Allgemeine Stressforschung“, der „Fokus Gesundheit“ und der „Fokus Leistungssport“, die in weitere Unterthemen gegliedert sind.

Im allgemeinen Teil werden Stresstheorien vorgestellt, inwiefern die Persönlichkeit bei Stress eine Rolle spielt, welche physiologischen Reaktionen es gibt und welche Trainings existieren, die wirkungsvoll sind. Der mittlere Bereich „Gesundheitssport“ ist für mich als Lauftherapeutin der spannendste. Dazu liefern die Seiten 203-387 wichtige Informationen, um Zusammenhänge besser zu verstehen. Welche physiologischen Wirkmechanismen gibt es? Wie reagiert das Gehirn, einmal auf den Stress, dann aber auch auf den Sport? Was gibt es über Sportaktivität und Burnout zu sagen? Und weitere Themen… Wohlwissend, dass der Ausdauersport und spezifischer das Laufen für den Stressabbau intensiv diskutiert werden, finden sich in den Literaturverzeichnissen der einzelnen Beiträge viel Lesestoff.

Der Schwerpunkt „Leistungssport“ greift die Komplexe Stress, Angst und Leistung auf, Erholung und Belastung, maladaptive Bewältigungsstrategien im Sport und Stress-Resistenz-Training für Topathleten.

Jeder der sich mit dem Thema Stress beschäftigt, wird über kurz oder lang auf die besondere Bedeutung der sportlichen Aktivität stoßen. Die Autoren klären hier die Hintergründe, warum, wieso, weshalb, interdisziplinär. Dieses gut lesbare Buch informiert ausführlich über die Zusammenhänge von Stressregulation und Sport. Die Gesundheit profitiert von der Bewegung. Gleichzeitig wird die Situation im Leistungssport nicht verklärt und sachlich analysiert, ohne wegzuschauen. Das gefällt mir, weil sich so Gegebenheiten für gute Athlet*innen verbessern können. Es ist ein Handbuch für alle Professionellen, die mit Menschen zu tun haben, die mit Stress konfrontiert sind, verstehen wollen und Auswege suchen.

Fuchs, Reinhard/Gerber, Markus (Hrsg.) (2018). Handbuch Stressregulation und Sport. Berlin: Springer.
ISBN 978-3-662-49321-2

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